Aus "Kölnische Rundschau" vom 9. Februar 1958

UNTERNEHMER von heute

Johannes Bruncken Technisches Verständnis und der Wunsch, die „Geheimnisse“ der Motoren zu enthüllen, waren bei Johannes Bruncken bereits in jungen Jahren vorhanden. Der bald 75jährige Inhaber der Cölner Motorenfabrik Johannes Bruncken in Bickendorf ist als Sohn eines Getreideimporteurs im oldenburgischen Fedderwardersiel geboren. Oft blickte er von den Wiesen an der Wesermündung auf die See und Bremerhaven. Wo die Segelschiffe ein- und ausfuhren. Dann erstand vor seinen Augen die Vision motorgetriebener Schiffe, und seine Gedanken gingen zu seinen Werkzeugen, mit denen er im elterlichen Haus zu basteln begonnen hatte. So schloß sich dem Schulbesuch folgerichtig eine technisch-praktische Ausbildung an, der die Absolvierung einer technischen höheren Lehranstalt folgte.

Als Zweiundzwanzigjähriger erhielt er seine erste Anstellung bei der Helios-Elektrizitäts AG in Köln-Ehrenfeld, wo er Betriebsassistent wurde. Immer noch besaß er seine Werkzeuge, mit denen er in einem seiner möblierten Zimmer, das er als Werkstatt eingerichtet hatte, hantierte. Damals bereits ging er an die Entwicklung neuer Motoren - eine Leidenschaft, die ihn auch heute noch beseelt.

lm Jahre 1905 stellten ihn die Bismarck-Werke in Bergerhof als Prüfungs-Ingenieur ein, wo er sich haupt- sächlich mit dem Bau von Einphasen-Wechselstrom-Motoren beschäftigte. Mit 27 Jahren reifte bei Johannes Bruncken der Entschluß, eine eigene Firma zu gründen.

Die Einphasen-Wechselstrom-Motoren waren zu der damaligen Zeit in verschiedenen Städten im Zusammenhang mit der Umstellung in der Stromversorgung sehr gefragt. Da auch in Köln großer Bedarf an Motoren bestand, mietete Johannes Bruncken mehrere Räume in Ehrenfeld und begann mit vier Mann die Fabrikation. Die Geburtsstunde der Cölner Motorenfabrik hatte geschlagen. Die Einphasen-Wechselstrom-Motoren der Firma Bruncken waren von Anfang an sehr beliebt. Einer trieb beispielsweise schon 1910 das Geläute des Kölner Doms an. Wesentliche Verbesserungen an diesen Motoren leiteten eine günstige Entwicklung des Betriebes ein. Immer häufiger ließ Johannes Bruncken neue Motorentypen patentieren, die zum Teil größte Beachtung und Verwendung fanden.

Ein besonderes Kapitel bildete die Entwicklung des Brunckenschen Doppelkurzschlußanker-Motors, der zur Freude seines Erfinders von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft als Spezial-Landwirtschaftsmotor ausgezeichnet wurde. Auch der in den dreißiger Jahren von Johannes Bruncken konstruierte Aufzugs-Motor bildet eine Besonderheit der Spezialfirma. Schrittweise wurde der Betrieb vergrößert. Heute beschäftigt Johannes Bruncken 300 Personen.

Wie eh und je steht der betagte Firmeninhaber seinem Betrieb vor, dessen Fertigungsprogramm immer noch wesentlich von den Erfahrungen des Chefs profitiert. Seine beiden Söhne stehen als Prokuristen ihrem Vater zur Seite. Verschiedene Ehrenmitgliedschaften in Vorständen von Verbänden und Vereinigungen der Branche zeugen von der Wertschätzung des bekannten Unternehmers. K. L.


Aus ETZ-B Bd. 16 (1964) H. 8/9

Elektrotechnische Zeitschrift

Elektrotechnische Umschau VDE-Mitteilungen

1. Elektrische Maschinen und Antriebe

Cölner Elektromotorenfabrik Johannes Bruncken, Köln-Bickendorf

MOTOREN - Außer normalen Drehstrommotoren stellt das Werk Aufzugsmotoren und Doka-Motoren her. Die Aufzugsmotoren sind für Schaltbetrieb ausgelegt und haben erhöhtes Anlaufmoment bei vermindertem Anlaufstrom. Sie werden für Aufzüge und Hebezeuge für eine, aber auch für zwei Drehzahlen gebaut. Mit diesen polumschaltbaren Aufzugsmotoren kann man Aufzüge bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 1,25 m/s betreiben. Mit der langsamen Drehzahl (Feinfahrt) erreicht man das genaue Ansteuern der Etage. Die kleine Drehzahl wird sofort nach Ausschalten der großen eingeschaltet und bremst den Motor mit dem Aufzug generatorisch auf die Feinfahrt ab. Die Motoren laufen in allen Arbeitsbereichen geräuscharm. Bis 120 Anfahrten in der Stunde ist mit der Normalausführung und Innenlüfter möglich. Darüber hinaus bis 240 Anfahrten in der Stunde ist ein aufgebauter Fremdlüfter nötig. Der Ventilator wird von einem Einphasenmotor angetrieben, der über einen Thermokontakt im Hauptmoter geschaltet wird.

Der Bruncken-Doka-Motor ist ein Spezialmotor, bestehend aus 2 Ständern, die auf einen gemeinsamen Läufer wirken. Damit kann ein Anlauf wie bei einem Schleifringläufermotor in 7 Stufen erreicht werden. Das Betriebsverhalten dieses Motors ist jedoch das eines normalen Käfigläufermotors. Angelassen wird er entweder von Hand oder automatisch.

Informationen

ETZ-B Bd. 17 (1965) H. 7 J. Bruncken. Am 22. Februar d. J. vollendet der Gründer und Inhaber der Cölner Elektro-Motorenfabrik Johannes Bruncken in Köln sein 85. Lebensjahr. Die 1907 gegründete Firma befasste sich zunächst mit der Herstellung von Wechselstrom-Einphasenmotoren, später mit Drehstrom- Motoren. Eine besondere Entwicklung und Erfindung von J. Bruncken ist der in Fachkreisen bekannte DOKA-Motor, der aus den vorhandenen Prinzipien von Bouche- und Bradley weiterentwickelt wurde. Unter anderem konstruierte J. Bruncken auch Motoren mit zwei Wicklungen die insbesondere in der Aufzugsindustrie verwendet wurden. Dieser Motortyp ist heute unter dem Namen "polumschaltbarer Aufzugsmotor" in Fachkreisen bekannt.

1. Elektrische Maschinen und Antriebe, Kerntechnik

ETz-B Bd. 18 (1966) H. 8/9

Cölner Elektromotorenfabrik Johannes Bruncken, Köln-Bickendorf

Motoren - Das Werk zeigt (auf der Hannover-Messe 1966) Aufzugsmotoren mit 3 Drehzahlen für Schnellaufzüge. Für Kurzfahrten werden die mittlere und die kleine Geschwindigkeit verwendet. Für lange Fahrten dient die große Drehzahl. Zum Bremsen vor der Zieletage kann entweder ein Steuergerät verwendet werden, oder aber man steuert ohne Steuergerät zunächst über die mittlere, dann über die kleine Feinfahrt das Ziel an.

Neben normalen Aufzugsmotoren für eine oder zwei Drehzahlen wird auch der DOKA-Motor ausgestellt. Dieser, Motor verbindet die Anlaufeigenschaften eines Schleifringläufermotors mit den guten Betriebseigenschaften eines Kurzschlußläufermotors. Der Doka- Motor spart nicht nur Anlaufstrom, sondern auch Betriebsstrom, da er ohne Stromverdrängung mit hohem Wirkungsgrad arbeitet.

1 Elektrische Maschinen und Antriebe

ETZ-B Bd. 19 (1967) H. 7/8

Cölner Elektromotorenfabrik Johannes Bruncken, Köln-Bickendorf

Motoren - Ausgestellt wird unter anderem ein neuer Typ von Aufzugsmotoren. Diese Sonderbauweise ist eine Weiterentwicklung, besonders geräuscharm, einfacher zu handhaben, leichter und niedriger als bisher. Als Grundlage wurde die Norm für innengekühlte Drehstrommotoren mit Käfigläufer, Bauform B3 DIN 42 672 Bl.1. wählt. Der Aufzugsmotor hat Gleitlager, gemäß seiner von der Norm abweichenden Leistung andere Wellenabmessungen, paßt sich aber bezüglich der Spitzenhöhe und der Fußabmessung genau der Norm an. Durch Teilung des Kühlluftstroms konnte das Luftgeräusch erheblich gemindert werden. Die Ausblaseöffnung der Fremdbelüftung kann beliebig geschwenkt werden.
Eine weitere Neuheit ist der sogenannte "Unterölmotor" zum Antrieb von Ölpumpen für Hydraulik-Aufzüge (Bild 3). Das Aggregat, bestehend aus Motor und Schraubenpumpe, wird in den Ölbehälter gesenkt, so daß sich der ganze Maschinensatz unter Öl befindet. Im Leerlauf macht der Motor 3000 U/min. Bei dieser hohen Drehzahl entsteht eine verminderte Pulsation, außerdem kann die Pumpe bei gleicher Leistung kleiner gebaut worden. Die Geräusche werden auch durch die Ölmenge gedämpft.


Mail an erwin.albers (at) nord-com.net, Erwin Albers, Bremen

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